Damals, vor gut 30 Jahren hatte ich da so gar keine Lust drauf: Musiktheorie! Hatte ich mich doch an der Musikschule angemeldet, um Musik zu machen und nicht irgendwelche Kadenzen, Akkordumkehrungen usw zu pauken. Das hörte sich für mich alles eher nach Schule, denn nach Musik an. Diese ganzen Befürchtungen sollten sich auch im Musiklehreunterricht (wie das damals hieß) bewahrheiten. Es war trocken, es hatte für mich alles rein gar nichts mit dem Musikmachen zu tun. Zumal ich damals noch klassischerweise mit der Klarinette unterwegs war, also nicht improvisiert habe und mit den ersten wirklichen Kompositionsversuchen ginge es erst einige Monate später los.

Ein weiteres Problem: das war alles zu hoch für mich, über was die sich da unterhielten.

Ein gutes Jahr später (ich hatte den Theorieunterricht nach ca. 4 Monaten abgebrochen) sah das ganz anders aus. Ich wusste plötzlich, warum ich das mache und vor allem, wozu ich Harmonie- und  Notationslehre lernte:

Meine eigenen Kompositionen waren plötzlich nicht mehr nur – teilweise – krampfhafte Versuche, irgendetwas aufˋs Blatt zu bekommen, bzw. wenn ich feststeckte, weiterzukommen. Ich konnte z.B. mit dem theoretisch Gelernten ein bisschen rumspielen, hören ob es passt.

Ich konnte meine Kompositionen nun auch gut leserlich, nach der Notationslehre aufschreiben (Notationsprogramme für Computer gab’s für den Hausgebrauch noch nicht), sodass ich mit meinen Bandkollegen besser an den Songs arbeiten konnte.

Bei klassischen Stücken gelang es mir besser, das Stück in meiner eigenen Art und Weise zu interpretieren.

Sprich, die ich konnte mich durch das wachsende Wissen in der Musiktheorie besser und mehr auf das Spielen meines Instruments, das Interpreiteren von Kompositionen und beim Songschreiben auf den Sound, die Interaktion mit meinen Kollegen und die Musik konzentrieren.

Auch fällt mir das freie Spiel viel leichter, das ich parallel zur Theorie eben auch Gehörbildung geübt habe.

Wenn du eine ernst zu nehmende Musikerin oder ein für voll genommener Komponist sein möchtest, gehören Theorie, Gehörbildung zur Musik dazu, wie das Beherrschen eines Instruments, bzw. der eigenen Stimme.

Das bedeutet dann wirkliche Liebe zur Musik!