Was mich TaiChi für die Musik gelehrt hat.

Heute mal ein relativ persönlicher Blogbeitrag. Und keine Angst, anders als der Titel vermuten lässt, musst du nun nicht anfangen, TaiChi oder QiGong zu praktizieren. Ich möchte lediglich auf einige Dinge hinweisen, die mir beim Musikmachen wichtig erscheinen und vor allem beim Üben effektiv sind.

Vor ca. 6 Jahren begann ich mit TaiChi und QiGong. Frag‘ mich nicht warum. Joggen war mir zu langweilig geworden, das Fitnessstudio ebenso. Warum aber ausgerechnet TaiChi?

Es ist eben eines dieser Dinge, die man nicht begründen kann. Es ist so, wie wenn ich gefragt werde, warum ich Saxophon spiele und nicht etwa Gitarre oder Cello oder Posaune? Ja, warum? Keine Ahnung. Eine oft gehörte Antwort ist dann: „Das Instrument hat mich ausgesucht und nicht umgekehrt.“ Vielleicht war es mit TaiChi genauso.

Während meiner ersten Stunden im TaiChi-Training mit Frau Li, wurde mir schon klar, wie viele Parallelen diese Kampfkunst mit meiner Arbeit als Saxophonist und Flötist aufweist und wie wir Musiker davon profitieren können.

Es gibt hier im Physischen, wie in der Methodik viele Gemeinsamkeiten. Zunächst einmal wurde mir wieder klar, wie wichtig es ist, langsam vorzugehen.

Jede Bewegung, jede Phrase, jede Note muss langsam geübt, die Bewegung der Melodie verinnerlicht werden. Dir selbst dabei zuzuhören bringt dich letztendlich schneller voran, als wenn du von Anfgang an versuchst, schnell fertig zu werden mit einer Übung oder einem Musikstück.

Du lernst so auch besser und schneller, welche Dinge für dich wichtig sind zu üben. Du nutzt die Zeit des Übens effektiver, da du fokussierter und konzentrierter bist. Das ewige Wiederholen gewisser Phrasen wird nicht ausbleiben. Denn nur so festigen wir, was wir lernen und später auch können wollen. Doch durch das konzentrierte Spielen, Zuhören und Ausführen kommst du schlussendlich schneller ans Ziel.

Du lernst das WIE des Übens kennen!

Fließende Bewegungen sind im TaiChi sehr wichtig. Diesen Fluss habe ich versucht in meine Art des Übens und Spielens zu übertragen.

Egal was du spielst und ob du nun einen Song zum ersten Mal vom Blatt spielst oder schon seit 20 Jahren im Repertoire hast, versuche immer alles möglichst flüssig zu spielen. Mit diesem Vorsatz zwingst du dich selbst, neue Stücke oder Phrasen, die du noch nicht zu 100% drauf hast, langsam zu spielen. Schnell zu spielen ist schlussendlich eh nur Fleißarbeit! 🙂

Ein weiterer Vorteil, von Anfang an möglichst flüssig zu spielen ist der, dass du die Melodie hörst. Meist wird eine Phrase erstmal ordentlich zerhackt. Will heißen, man spielt die Noten, wie sie kommen, rhythmisch aber, wie’s grade in den Sinn kommt. Dadurch hörst du aber die Melodie ungefähr genauso gut, wie wenn du ein Stück erstmal ohne alle Vorzeichen, die da eventuell stehen spielst, oder eben Kreuze einbaust, wo keine sind!

Wenn du die Melodie nicht zerhackst, eben alles so langsam spielst, dass es vom ersten Spielen an richtig gespielt wird, klingt die Phrase, wie sie am Ende klingen soll. Zwar wahrscheinlich nur halb so schnell, aber wir sind ja hier nicht bei den Olympischen Spielen!

Mein „Arbeitsauftrag“ an dich bis zum nächsten Teil dieses Blogs: übe langsam, spiele Songs langsam! Mach die Ohren auf!

P.S.: Im SaxWorkout-Workshop auf La Gomera, werden wir im Oktober auch an oben Genanntem arbeiten!

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