Eine kleine Geschichte darüber, wie man mit der Improvisation beginnen kann

Ich habe Musik schon immer aus dem Bauch heraus gemacht. Als ich dann mit 17 Jahren anfing Saxophon zu spielen und vor allem zu improvisieren, konnte ich mich endlich komplett austoben!

Noch nie hat mich eine Gebrauchsanleitung interessiert….wobei sowas beim Aufbau eines Hochbetts mit integriertem Schrank und Schreibtisch schon extrem helfen kann!

Das Improvisieren habe ich einfach gemacht: Saxophon ausgepackt, meine erste und einzige CD, die ich damals besaß (Robert Cray „Don’t be afraid of the dark“) eingelegt und gnadenlos drüber gespielt.

-Ich möchte hier meinen Dank an meine Eltern und Geschwister richten, die diese Kakophonie ausgehalten, sich nicht beschwert haben und mich somit in dem Glauben ließen, das sei schon alles ganz gut, was ich da spiele!-

Irgendwann bekam ich von meinem Sax-Lehrer eine Tonleiter in die Hand! Es war der heilige Gral zur Improvisation: die Bluestonleiter!

Schnell stellte sich eine gewisse Ernüchterung ein, denn diese Tonleiter spielte ich schon lange, ohne es zu wissen, mit meiner einzigen CD.

Ab diesem Zeitpunkt spätestens war für mich klar: Ohren auf, Sax in de‘ Gusche (wie der Sachse sagt), Luft holen, lospielen!

Das war der Anfang. Doch ist dies natürlich kein Weg, um das Improvisieren gezielt zu üben, sich ein gewisses Vokabular in Form von Tonleitern, Akkorden/Arpeggien und anderen stilistischen Mitteln anzueignen. Zudem stößt man mit diesem Prinzip sehr schnell an seine Grenzen, wenn es um harmonisch komplexere Stücke geht.

Dennoch bleibt das Prinzip „Ohren auf und spielen“ oberste Prämisse, egal, was gelernt, geübt, gespielt wird.

Einflüsse auf mein Spiel außerhalb der Musik

Nach meinem Musikstudium war ich erstmal voll mit Harmonielehre, Tonsatz, Arrangiertechniken, instrumentaler Technik. Gutes, gesundes Rüstzeug eben für einen Profimusiker. Doch so richtig inspiriert und vor allem weitergebracht hat mich das dann nicht mehr.

Heute, mit einigen Jahren Abstand, packe ich aber immer wieder mal Themen aus dieser Zeit aus und übe/spiele das.-

Ich habe also, unbewusst nach anderen Quellen gesucht, die mich als Musiker und Komponist weiterbringen. Klar liest man Bücher, schaut sich Kunst in Galerien oder sonstwo an, geht ins Kino etc. pp. Doch hat mich erst vor ein paar Jahren die Praxis des TaiChi und QiGong merklich weitergebracht. Von der ersten TaiChi-Stunde an, habe ich versucht, vor allem die Körperhaltung und die innere Haltung dieser Kampfsportart (das ist es in der Tat, auch wenn’s nicht so aussieht!) in mein Spiel, meine Art zu üben und zu musizieren zu übertragen.

Auch wenn ich mich nach mehr als fünf Jahren immer noch als Anfänger im TaiChi und QiGong sehe und auch kein ausgebildeter Lehrer in dieser Sportart bin, versuche ich vor allem die physischen Aspekte im Saxophon-Unterricht und in Workshops weiterzugeben.

In den verschiedenen Kampfsportarten ist ja das energetische Zentrum von besonderer Bedeutung. Dieses Zentrum sitzt genau da, wo wir als Bläser -Sänger mit eingeschlossen- „hinatmen“ sollen, um dann richtig zu atmen und eine sehr gute Stütze erreichen zu können. Dieses Zentrum liegt ja auch für uns Bläser ca. 2 fingerbreit unter dem Bauchnabel. Hier kommt unsere Power für einen schönen großen, vollen und dynamisch breiten Ton her….wer’s mit dem Ansatz versucht bekommt umgehend die Quittung 😉

Laut TaiChi und QiGong werden hier auch die Bewegungen der Muskeln sehr stark beeinflusst. Für das Saxophon-, Flöte- und Didgeridoo-Spielen, kann ich das bestätigen.

Für mich persönlich ist noch wichtig, dass ich, seit ich TaiChi praktiziere, besser mit meiner Kraft beim Spielen haushalten kann und dadurch -gefühlt, für mich- mehr und länger Energie habe zu spielen. Bzw. man hat nicht mehr das Gefühl nach einem 2-stündigen Konzert einen Marathon gelaufen zu sein….nicht, dass ich schonmal einen Marathon gelaufen wäre…

Gerade als Bläser halte ich es für überaus wichtig, ein gutes Körpergefühl zu haben und geerdet, mit beiden Beinen fest auf dem Boden zu stehen und das richtige Atmen, die Stütze durch Übungen aus dem TaiChi weiter zu verbessern, zu trainieren und zu perfektionieren.

Wenn ich wirklich Zeit habe zu üben, mache ich direkt vor dem Üben ca. 20-30 Minuten TaiChi und QiGong. Vielleicht ist es Einbildung, aber ich habe dann das Gefühl das ganze Spielen geht besser, leichter und ist natürlicher.

Seit dieser Zeit, heißt es für mich nicht mehr Sax-Üben, sondern Sax-Workout!

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