Geht das denn überhaupt? Muss denn nicht schon wenigstens ein kleiner Funke Kreativität in einem glühen, um mehr daraus zu machen?
Ja, der Funke sollte schon irgendwo sein. Doch wer behauptet absolut null kreativ zu sein, sollte sich an seine/ihre Kindheit erinnern: wie war das mit den Sandburgen? Woher kamen all die Bilder, die gemalt wurden? Wie war das mit den Spielen und den Geschichten, die man sich ausgedacht hat?
Hat das nicht jedes Kind gemacht? Und nun soll dieser Ideenreichtum mit der Volljährigkeit plötzlich versiegt sein?

Sicher nicht! Doch gerade Erwachsene geben sehr schnell auf, wenn z.B. beim Improvisieren nicht sofort der Funke zündet. Viele Erwachsenen und auch Jugendliche lassen sich zwar berieseln und nehmen alle möglichen Einflüsse auf, lassen sich aber nicht davon inspirieren. Man muss sich einfach trauen, Ideen anderer aufzunehmen und weiterzuspinnen. Woher kamen in der Kindheit die ganzen Ideen für die Bilder, Geschichten und Abenteuer? Genau: von anderen Bildern Geschichten und Abenteurern, die z.B. Pippi Langstrumpf oder Tom Sawyer erlebt hatten. Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich Huckleberry Finn war, an einem Bächlein in der oberschwäbsichen Provinz und nicht am Mississippi, eben leicht abgewandelt!

Wir alle, die wir uns mit Improvisation und Komposition beschäftigen, haben gute und schlechte Tage.
Allerdings sind die schlechten Tage oft gar nicht so mies, wie wir denken. Es bedarf nur ein paar Ideen und Denkanstöße, um den Funken zu zünden und der Motor läuft!

Hier mal ein paar kleine einfache Denkanstöße, wenn’s mal nicht so läuft (oder auch wenn’s zwar läuft, man aber gerne auf andere Gedanken kommen möchte):

Spiele einen eigenen Song als Zitat über eine Impro, die du gerade übst.
Spiele eine fremde Komposition als Zitat in deiner Impro.
Spiele beide Kompositionen oder Teile daraus auch mal rückwärts. Das klingt in vielen Fällen plötzlich völlig anders und öffnet dir die Ohren.
Vergiss mal alle Tonleiter, Arpeggien, Licks etc. pp. Denke weniger an Melodien, sondern versuche auf Geräusche, Töne und Sounds von außen musikalisch zu reagieren.


Kleine Anekdote dazu:
Ich wollte neulich hier in meiner Wohnung eine Ballade von mir aufnehmen,
die ich für vier Holzbläser arrangiert hatte. Just, als ich „Aufnahme“ gedrückt hatte,
fing draußen Einer an, mit der Kreissäge Holzbalken zu bearbeiten! Da es nicht danach aussah, dass er in den nächsten 10 Minuten damit aufhört, habe ich kurzerhand umdisponiert und zur Kreissäge improvisiert. Gut, das Ergebnis würde ich nun nicht veröffentlichen wollen, aber ein paar Ideen waren schon dabei, die ich in der einen und anderen Komposition verwendet habe, bzw. die mich auf weitere Ideen gebracht haben.


All diese Tipps öffnen dir vor allem die Ohren für Neues und Altes, weit im Hinterstübchen Verschollenes! Kreativ zu sein, heißt offen zu sein für alle möglichen Einflüsse. Ob und wie du diese dann verarbeitest, bleibt dir überlassen!

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P.S.: Kreativität braucht Zeit. Wie oft heißt es „Du sitzt ja nur rum und machst nichts.“ In solchen Situationen wünschte ich mir manchmal, das Hirn funktioniere mechanisch….man würde es rattern hören! Für mein neues ((grosskopf))-Trio brauch ich mal wieder neue Songs, wofür ich wiederum Zeit brauche. Dennoch dreht sich in dieser Zeit die Welt weiter und Rechnungen flattern in’s Haus. Wenn du kannst und möchtest, darfst du mich beim Komponieren und Spinnen neuer Ideen unterstützen! Ich habe dafür eine Patreon-Seite eingerichtet. Ich würde mich freuen, wenn du dir die Zeit nimmst mal reinzuschauen und evtl. sogar aktiv zu werden! Hier ist der Link: https://www.patreon.com/grosskopf

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