Die Frage, wie ein Donut klingt, habe ich mir neulich zusammen mit Schülern gestellt. Und dann haben wir die Donuts zum Klingen gebracht! Wir sind dabei auf ganz unterschiedliche Donutvarianten gestoßen, haben festgestellt, dass Schokodonuts anders klingen, als die mit Zuckerguss und bunten Streuseln. Schließlich kamen wir über das Desert zum Hauptgang (Schweinebraten klingt anders als Tofu) und zur Vorspeise (grüner Salat klingt mit italienischem Dressing klingt etwas anders als mit Joghurtdressing).

grosskopf8-c-siegfried-grosskopf.jpg

Aber was sollte das denn und wie bringt man Donuts zum Klingen?

Nun es geht darum frei zu spielen, ohne Vorgaben, bzw. mit seltsamen Vorgaben (siehe oben) zu improvisieren. Oft hört man doch von improvisierenden Musikern, dass sie während des Spiels Farben sehen oder sich Formen vorstellen, Bewegungen imitieren.

Beim Donutspiel habe ich die Geschichte einfach mal umgedreht und versucht die Vorstellung vom Geschmack dieser Süßigkeit in Klänge zu verwandeln.

Warum sollte man so etwas immer wieder mal tun?

Das freie Spiel stärkt deine Klangvorstellung. Dir wird klarer, wie dein Instrument in den verschiedenen Lagen, Oktaven und Registern klingt. Ist der Klang hell oder dunkel, eher brillant oder gedämpft, voluminös oder eher dünn? Es geht dann auch nicht darum aus einem dünnen Klang einen voluminösen zu machen, sondern diesen Klang, wie er ist zu nutzen.

Mit der Ausbildung deiner Klangvorstellung, trainierst du auch dein Gehör. So ganz nebenbei! Du wirst es nicht akademisch trainieren, in dem Sinne, dass du alle Intervalle sofort benennen kannst. Aber du hörst – für die Praxis- welches Intervall klingt an dieser Stelle, über einen bestimmten Akkord harmonisch oder spannungsgeladen. Welche Wirkung erzielt ein bestimmtes Intervall oder eine Reihe verschiedener Intervalle.

Eben diese „nicht-akademische“ Spiel, ohne z.B. ein Intervall benennen zu können, stärkt auch dein Körpergefühl beim Spielen. Denn du musst über nichts nachdenken. Da ploppt dann auch, während des Spielens – im Hirn nicht plötzlich die Erkenntnis auf „Ah, eine reine Quarte!“ Da sind keine Tonarten, Akkorde, Tonleitern, Akkordfolgen zu beachten.

Du musst bei der freien Improvisation auf das Hier-und-Jetzt reagieren und agieren. Du kannst dich darauf konzentrieren, dich beim Musikmachen auch körperlich gut zu fühlen. Und fühlt sich dein Körper gut und vor allem entspannt an, ist auch dein Ansatz entspannt, du kannst auf deine Atmung achten und deinen Fingern im wahrsten Sinne des Wortes „freien Lauf“ lassen. Denn: die Angst vor falschen Tönen ist nicht gegeben….welche falschen Töne überhaupt?

Warnhinweis: das Üben von freiem Spiel eröffnet in jedem anderen musikalischen Kontext neue Möglichkeiten, Klänge und Wege!

****

P.S.: Nicht ganz frei, aber ohne den Zwang Tonleitern und Arpeggien spielen und daran denken zu müssen, arbeitet das „Lick-Workout“….heute noch im vergünstigten Bundle zusammen mit 7Steps!

Advertisements