Durch ein Posting im saxophonforum.de habe ich mir mal ein paar Gedanken zum Thema „Dudeln“ gemacht.

Was ist denn eigentlich dudeln? Meistens verbindet man -auch ich- etwas Negatives damit. Für mich ist das zunächst zusammenhangsloses, meist technisch schlechtes und rhythmisch schlampiges Rauf-und-Runter-Spielen irgendwelcher Tonfolgen. Oft verbunden mit der Attitude des Spielers: „Ich zeig euch mal, was ich kann!“ Also eher so eine Art sportliche Herangehensweise: höher, schneller, weiter.

Dennoch hat für mich das Dudeln auch etwas Positives:

meinen Schülern sage ich öfter, sie sollen doch einfach mal „rumdudeln“. Denn ich finde, wenn man sich über einen Song oder Changes keine Gedanken gemacht hat, nicht dafür geübt hat und sich nicht darum schert, was da harmonisch verlangt wird und man einfach mal drauflos spielt,  gute musikalische Gedanken aufkommen und vor allem aus dem Instrument kommen können. Es ist ein Experiment, nach dem Motto:

„Mal sehen was passiert. Mal hören, wie das klingt.“

Wie haben wir denn unsere Muttersprache gelernt? Haben wir sofort in ganzen, grammatikalisch korrekten Sätzen gesprochen? Nein. Wir haben „rumgebrabbelt“. Aber uns eben -damals- noch getraut einfach drauflos zu quatschen. Dadurch oft viel Freude in den Gesichtern der Erwachsenen gesehen und sicherlich wird heute noch die eine oder andere sprachexperimentelle Gegebenheit von damals bei Familienzusammenkünften zum Besten gegeben!

Das Dudeln ermöglicht uns auch, die ausgetrenen Pfade was -laut Lehrbuch- harmonisch möglich und erlaubt ist zu verlassen, Gehörtes unbewusst in unser Spiel dringen zu lassen. Ich mache mir beim Dudeln keine Gedanken über das, was ich spiele oder gespielt habe, ob ich das Gespielte irgendwie, irgendwohin weiterentwickeln kann. Ich verfolge mit dem Dudeln bewusst keinen künstlerischen oder musikalischen Zweck. Ich nehme mein Instrument in die Hand, blase rein und lasse meine Finger die Klappen bedienen, wie’s grade kommt!

Wir sollten uns einfach wieder mehr trauen rumzududeln. Ohren auf und durch! Wir trainieren unser Gehör, unsere musikalische Spontanität und Flexibilität, bleiben offen für Neues und Anderes.

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